Der Wald in Luxemburg

- Der Luxemburger Wald im Überblick
- Zusammensetzung des Waldes
- Bewirtschaftungsformen
- Daten und Fakten über den Luxemburger Wald
Der Luxemburger Wald im Überblick
89 150 ha des Großherzogtums sind bewaldet, was etwa einem Drittel (34 %) der Landesfläche entspricht. Darunter fallen neben geschlossenen Wäldern unter anderem auch Flächen, die mit Feldgehölzen bestanden sind sowie forstliche Pflanzungen, Baumschulen, Waldwege und Kahlschlagsflächen.
Im europäischen Vergleich liegt Luxemburg im Mittelfeld zwischen Finnland mit 77 % bewaldeter Fläche und den Niederlanden, in denen der Wald lediglich 8 % der Landesfläche ausmacht.
Wenn man es ganz genau nähme, dürften wir die meisten Baumbestände Mitteleuropas heute nicht mehr als "Wald" bezeichnen. Denn nach der eigentlichen Definition gelten nur natürliche oder quasinatürliche, von Baumbeständen geprägte Lebensgemeinschaften als Wald (Quelle: Lexikon der Geographie). Da unsere heute existierenden "Wälder" jedoch schon seit Jahrhunderten zum Teil intensiv genutzt werden und vom Menschen deutlich überprägt sind, handelt es sich wissenschaftlich betrachtet um sogenannte "Forste". Im allgemeinen Sprachgebrauch, den wir auch hier anwenden möchten, wird jedoch auch der Forst als "Wald" bezeichnet.
Die Verteilung des Waldes und die Größe der bewaldeten Fläche wird wesentlich durch die Nutzbarkeit des Untergrundes und des Geländes bestimmt. Überall dort, wo sich eine landwirtschaftliche Nutzung nicht mehr rentierte, wurde Forstwirtschaft betrieben. So kommt es auch, dass im schroffen Norden des Landes der Wald mit etwa 42 % den größten Flächenanteil ausmacht.
Über die Hälfte (55 %) der luxemburgischen Waldfläche befindet sich in privater Hand, wobei die einzelnen Personen durchschnittlich weniger als 2 ha Wald besitzen. Der Staat selbst besitzt etwa 11 %, genau ein Drittel teilen sich die Gemeinden. Die Bewirtschaftung des öffentlichen Waldes (Staat, Gemeinde, öffentliche Einrichtungen) unterliegt der luxemburgischen Forstverwaltung.
Forstlich wird Luxemburg in vier Wuchsgebiete unterteilt: Ösling, Gutland, Minettebecken und Moseltal. Diese Gebiete unterscheiden sich hinsichtlich der Klimabedingungen, ihres Reliefs, des Ausgangsgesteins und der Art des Bodens und weisen abweichende wirtschaftliche Entwicklungen auf, so dass sich verschiedene Waldgesellschaften ausbilden konnten. Das Ösling zeichnet sich beispielsweise durch besonders hohe Nierderschläge und im Vergleich zum restlichen Land geringe Temperaturen aus, wohingegen das Moseltal deutlich trockener und wärmer ist. Im Ösling hat sich zudem unter anderem die Bedeutung der Gerberindustrie auf die Waldentwicklung augewirkt. Typisch für das Minettebecken sind wie im Ösling die relativ hohen jährlichen Niederschlagswerte. Die deutlich besseren Boden- und Nährstoffbedingungen begünstigen jedoch die Ausbildung von Edellaubholzstandorten. Das Gutland nimmt klimatisch eine Mittelstellung ein und wird morphogisch von sanften Formen geprägt. Die mittleren Standortbedingungen führten zur Entwicklung von Buchenwäldern, die in Luxemburg auf den meisten Flächen die natürliche Klimaxgesellschaft bilden würden. Unter einer Klimaxgesellschaft versteht man die Pflanzengemeinschaft, die sich ausbilden würde, wenn keine menschlichen Eingriffe oder natürliche Störungen wie Windwurf oder Tierfraß, auf die Entwicklung der Vegetation einwirken würden.
Zusammensetzung des Waldes
Der größte Teil der bewaldeten Fläche ist mit Laubwald bestanden, Nadelwälder machen einen Anteil von etwa 32 % aus. In Luxemburg herrschen wie in den meisten Regionen Mitteleuropas die Baumarten der gemäßigten Breiten vor.
Buche, Eiche und Fichte bilden zusammen 81 % des Luxemburger Waldes, sind jedoch recht unterschiedlich im Großherzogtum verteilt. Im Gutland dominieren die Laubbäume, allen voran die Buche, im Ösling herrscht hingegen auf weiten Flächen die Fichte vor. Letztere würde natürlicherweise in Luxemburg nicht vorkommen und ist ein Beispiel für den prägenden Einfluss des Menschen. Sie verdankt ihre Verbreitung großflächigen Fichtenaufforstungen zu Beginn des 20. Jhs., die auf wirtschaftlichen Aspekten und den Wuchseigenschaften dieser Nadelbaumart basierten.
Die Zusammensetzung natürlicher Waldgesellschaften ist abhängig von den Standortbedingungen, die vor allem vom Klima und der Art des Untergrundes bestimmt werden. Dazu zählen die Wasser- und Nährstoffverfügbarkeit ebenso wie der Jahrestemperaturverlauf und der pH-Wert des Bodens. Heute wird die Baumartenzusammensetzung jedoch weitgehend durch das Wirken des Menschen bestimmt auch wenn wir die grundlegenden natürlichen Bedingungen nicht außer acht lassen können.
Weitere Baumarten wie Kiefer, Birke und verschiedene Edellaubhölzer darunter Esche, Ahorn und Kirsche weisen nur geringe Anteile von weniger als 2 % je Baumart am luxemburger Wald auf. Einige von ihnen erreichen jedoch vor allem auf sogenannten Sonderstandorten, die sich durch relativ extreme Bedingungen auszeichnen, wie trockene oder feuchte Talhänge und Auen, hohe Anteile.
Der relativ hohe Anteil von Buchen und Eichen mit einem Alter von über 100 Jahren (65 %) ist auf den Einbruch der Holznachfrage für den Hochofenbetrieb bei der Eisenverhüttung seit Mitte des 19. Jhs. zurückzuführen. Seit dieser Zeit konnte sich der zuvor stark ausgebeutete Wald wieder relativ ungestört entwickeln. Die Fichtenbestände sind hingegen deutlich jünger und stammen zu einem großen Teil aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, in der durch den Niedergang der Gerberindustrie die Nachfrage nach Eichenrinde einbrach. Daraufhin wurden viele Eichenniederwälder in Fichtenforste umgewandelt, von denen sich vor allem Privatwaldbesitzer aufgrund des schnellen Wachstums dieser Baumart, wirtschaftliche Vorteile versprachen.
Bewirtschaftungsformen
Etwa 86 % der Waldfläche werden in Luxemburg von Hochwald gebildet. Es handelt sich hierbei um eine forstliche Bewirtschaftungsart, bei der man die Bäume im gegensatz zur Niederwaldbewirtschaftung erst im vollerwachsenen Zustand erntet.
Der vor allem im Ösling verbreitete Eichenniederwald macht 13 % der Waldfläche aus. Die ersten sogenannten Lohwälder entstanden vor etwa 300 Jahren als man entdeckte, dass sich das Tannin der Eichenrinde zum Gerben von Leder verwenden ließ. Bei der Niederwaldwirtschaft werden die Bäume bereits nach relativ kurzer Zeit (etwa 15 Jahren) geschlagen und treiben dann aus den Stöcken wieder aus.
Daten und Fakten über den Luxemburger Wald
- bewaldete Fläche in Luxemburg: 89.150 ha oder etwa 34 %.
- etwa 73.400 ha (~ 86 %) der bewaldeten Fläche sind Hochwald, rund 11.050 ha (~ 13 %) werden vom Eichenniederwald gebildet. 1999 betrug die Niederwaldfläche noch 13.200 ha, die des Hochwaldes 72.600 ha.
- Im Hochwald dominieren mit 64 % die Laubholzarten, der Niederwald wird von der Eiche gebildet und befindet sich zu 81 % (8.950 ha) in Privatbesitz.
- Baumartenzusammensetzung: Buche 30 %, Eiche 28 % (18 % Hochwald, 10 % Niederwald), Fichte 23 %,Hainbuche 4 %, Douglasie 3 %
- Besitzverhältnisse: 55 % Privatwald, 33 % Gemeindewald, 11 % Staatswald, 1 % Wald öffentlicher Einrichtungen
- der Grünewald ist mit 4.500 ha das größte zusammenhängende Waldgebiet Luxemburgs und wurde 1966 als Monument national ausgewiesen.
- 98 % des luxemburger Waldes sind für die Holzproduktion nutzbar.
- der Holzvorrat des luxemburger Waldes beläuft sich auf 23 Mio m³ stehendes Holz.
- 5 % der Waldfläche sollen mittelfristig als Naturwaldreservate ausgewiesen werden, in denen sich der Wald ohne menschliche Eingriffe weitgehend natürlich entwickeln kann.
- zur Zeit beträgt der durchschnittliche Totholzanteil pro ha 11,6 m³ (7,2 m³ liegend, 4,4 m³ stehend).
- Wälder gehören in Europa zu den wichtigsten erneuerbaren Ressourcen.
- in einem Kubikmeter Holz sind 255 kg Kohlenstoff fixiert.
- 10 Mio ha Wald speichern 890 Mio t Kohlenstoff.
Quellen: Ministère de l`Environnement; ec.europa.eu/agriculture/fore/index_de.htm

















