Waldfunktionen
Waldfunktionen
Der Wald nimmt als Ökosystem zahlreiche unterschiedliche Funktionen wahr. Die Ausprägung und Bedeutung dieser Funktionen variert mit dem Standort, der Baumartenmischung und der Bewirtschaftungsweise.
So fällt in Luxemburg beispielsweise die Funktion von Wäldern als Lawinenschutz weg und die Bedeutung der luftreinigenden Funktion ist in wenig besiedelten Regionen wesentlich geringer als in städtischen Gebieten. Artbedingte Unterschiede werden hingegen bei der Wasserschutzfunktion zwischen Nadel- und Laubhölzern deutlich. Die Bewirtschaftungsart wirkt sich insbesondere auf den Schutz der Artenvielfalt aus, der in Monokulturen nie in dem Maße gewährleistet werden kann wie dies in naturnah ausgeprägten Beständen der Fall ist.
Prinzipiell ist eine naturnahe Bewirtschaftung der Wälder wichtig, damit diese möglichst viele Funktionen erfüllen können.
Die von Wäldern angebotenen Funktionen können in drei Kategorien eingeteilt werden:
• Nutzfunktion
• Schutzfunktionen für
• Klima
• Boden
• Wasser
• Luft
• Artenvielfalt
sowie gegen
• Lärm
• Erholungsfunktion
Die Nutzfunktionen
Hierunter fällt in erster Linie die Funktion des Waldes als Lieferant von Holz. Neben dem Holz, dass für uns vor allem im wirtschaftlichen und zu Zeiten des Klimawandels auch im ökologischen Zusammenhang von großer Bedeutung ist, bietet der Wald in zweiter Linie Wildfleisch.
Zu den weiteren im Wald vorkommenden und heute noch genutzten Produkten zählen Beeren, Pilze und Kräuter.
Früher wurde der Wald auch als Lieferant für landwirtschaftliche Hilfsmittel wie Stalleinstreu oder Viehfutter (Waldfrüchte) genutzt. Zudem dienten neben dem Holz auch Gerb- und Farbstoffe aus Baumrinden industriellen Zwecken.
Die Schutzfunktionen
Obwohl nicht mal 10 % der Erdoberfläche mit Wald bedeckt sind, nimmt diese Pflanzenformation eine herausragende Bedeutung als ökologischer Ausgleichsraum ein. Es handelt sich auch aufgrund der großen Mengen Biomasse um die austauschintensivste Bodenbedeckung der Erde.
Der Wald sorgt gerade in unseren dicht besiedelten und intensiv genutzten Regionen für saubere Luft und einen ausgeglichenen Klima- und Wasserhaushalt. Zudem trägt der Wald zum Bodenschutz bei, bietet zahlreichen angepassten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum und verringert die Lärmbelästigung. Aufgrund dieser wichtigen Aufgaben, die der Wald im Naturhaushalt wahrnimmt, ist eine schonende Bewirtschaftung von besonderer Bedeutung.
Klima
Die Schutzfunktion des Waldes hinsichtlich des globalen Klimas liegt zum einen in seiner Eigenschaft als großer Kohlenstoffspeicher und zum anderen in seiner ausgleichenden Wirkung auf Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnisse. Regional ist vor allem die Ausgleichsfunktion von besonderer Bedeutung.
Der Wald besitzt aufgrund seiner großen horizontalen und vor allem vertikalen Ausdehnung und seiner weitgehend geschlossenen Struktur ein eigenes Bestandesklima. Dieses zeichnet sich durch geringe Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen aus, die unter anderem aufgrund reduzierter Windgeschwindigkeiten und des relativ geringeren Lichteinfalls zustande kommen.
Diese lokalen klimatischen Besonderheiten wirken sich auch auf die Umgebung von Waldbeständen aus und können in besiedelten Gebieten durch geeignete Maßnahmen wie die Einrichtung von Luftabflussbahnen auch das Stadtklima verbessern.
Neben ihrer ausgleichenden klimatischen Wirkung dienen Wälder auch als Windbremse aus und schützen so angrenzende Flächen vor starken Luftströmungen.
Wasser
Auf den natürlichen Wasserhaushalt wirkt der Wald ebenso wie auf das Klima mit einer ausgleichenden Funktion. Nach Niederschlägen wird aufgrund der hohen Verdunstung zwar weniger Wasser dem Grundwasser zugeführt, bei anhaltender Sonnenstrahlung wird jedoch auch deutlich weniger Bodenwasser verdunstet. Daher spenden im Wald befindliche Quellen auch noch bei andauernder Trockenheit Wasser. Durch seine Rückhaltefunktion nimmt der Wald auch beim Hochwasserschutz eine wesentliche Rolle ein.
Hinzu kommt, dass das im Wald versickernde Wasser aufgrund fehlender Dünge- und Pflanzenschutzmittel weniger schadstoffbelastet ist, als das Sickerwasser auf landwirtschaftlich genutzten Flächen.
Boden
Der Bodenschutz durch Wälder besteht in erster Linie aus dem Schutz vor Erosion. Diese werden auf zwei unterschiedliche Arten erfüllt. Zum einen vermindern Wälder aufgrund ihrer windbremsenden Wirkung und der Verringerung des Oberflächenabflusses die erosionsgefährdenden Einwirkungen. Zum anderen schützen sie den Boden durch die intensive Durchwurzelung direkt vor Abtragungsprozessen.
Aus diesem Grund kommt Wäldern gerade an Hängen und in naturnahen Auen eine große Bedeutung für den Bodenschutz zu.
Eine besondere, in Luxemburg nicht benötigte Funktion von Wäldern ist der Lawinenschutz. Durch eine dichte Bestockung gefährdeter Hänge, wird die Schneedecke „festgehalten" und die Lawinengefahr verringert.
Luft
Der Wald wirkt auf zweierlei Arten auf die Luft. Er filtert mit seinen Blättern und Nadeln Verunreinigungen wie Gase und Stäube aus der Luft und trägt zudem mit der aktiven Sauerstoffproduktion zu einer verbesserten Luftqualität bei. Durch Temperaturunterschiede zwischen Wäldern und besiedelten Gebieten kann qualitativ bessere Luft übersogenannte Luftabflussbahnen auch in Städte gelangen, sodass die Auswirkungen dieser Funktion nicht auf die Waldgebiete beschränkt bleiben.
Durchschnittlich filtert ein Hektar Wald jährlich etwa 50 t Ruß und Staub aus der Atmosphäre. Die genauen Zahlen sind jedoch abhängig von der Belaubung. Bei der Reinigung der Luft durch Ausfilterung von Stäuben und Gasen erreichen immergrüne Nadelwälder höhere Werte als winterkahle Laubwälder.
Lärm
Wälder tragen wesentlich zum Schutz vor belastendem Verkehrs- und Industrielärm bei. Zur Reduktion des Lärms einer vielbefahrenen Straße um etwa 40 dB wäre eine freie Fläche von mindestens 2000 m notwendig. Ein dichtbestandener Waldgürtel könnte hingegen schon bei einer Breite von etwa 250 m den Lärm um 40 dB vermindern. (Quelle: http://www.wald-online-bw.de)
Artenvielfalt
Wälder, die eine naturnahe, das heißt vielfältige räumlich und zeitlich variierende Struktur aufweisen, sind durch ein eng verzahntes Mosaik verschiedenster Lebensräume gekennzeichnet. Aus diesem Grund ist der Anteil der heimischen Tier- und Pflanzenarten, die an den Lebensraum Wald gebunden sind, mit etwa der Hälfte der Gesamtartenzahl, sehr hoch. Die große Bedeutung der Strukturvielfalt, die sich auch in unterschiedlichsten Klima-, Standort- und Lichtverhältnissen ausdrückt, macht eine naturnahe Bewirtschaftung der Wälder daher unabdingbar.
Die Bindung einiger gefährdeter Arten an durch frühere Bewirtschaftungsweisen geprägte Wälder, wie die Eichenniederwälder im Ösling, spricht jedoch auch für eine Erhaltung traditioneller Waldformen.
Die Strukturvielfalt der Wälder bedingt ein direktes Nebeneinander verschiedenster Lebensräume wie Lichtungen und Dickungen, was dem Ökosystem Wald auch großräumig eine wichtige Bedeutung als Vernetzungselement im Biotop- und Landschaftsschutz zukommen lässt.
Die Erholungsfunktion
Der Wald gewinnt als Erholungsraum gerade in den immer dichter besidelten Gebieten ständig an Bedeutung. Durch das günstige Klima und den deutlich verminderten Lärmeinfluss können Wälder erheblich sowohl zur psychischen als auch zur physischen Regeneration von Besuchern beitragen. Von vielen wird der Wald zudem am stärksten als ursprüngliche Natur empfunden und hat vor allem im deutschsprachigen Raum einen hohen Wert im romantischen Verständnis. Dies trägt auch zu einem ausgeprägten Interesse der Bevölkerung an den natürlichen Vorgängen und einer besseren Vermittlung von Umweltschutzmaßnahmen bei.
In der Landschaftskunde gilt der Wald als besonders wertvoll, weil er als gliederndes und auflockerndes Element die Eigenart und Schönheit einer Landschaft aufwertet und damit deren Erholungsfunktion erheblich steigert.
Neben der reinen Erholungsfunktion muss auch die Funktion des Waldes als wichtiges Kulturgut genannt werden. Denn an ihm sind die vor Jahrhunderten angewandten Wirtschaftsweisen noch heute deutlich erkennbar und damit für uns gut nachzuvollziehen. Zudem hat er gerade in der Geschichte der Menschheit zu jeder Zeit eine bedeutende Rolle für die Sicherung der Lebensgrundlagen gespielt.

















