Richtig Düngen

Richtig Düngen

Der Boden gehört zu den wichtigsten Faktoren in einem Garten. Sein Schutz ist daher die Grundlage für ein gutes Pflanzenwachstum und die Entwicklung gesunder, widerständiger Pflanzen. Zu den vielfältigen Aufgaben, die Böden in Bezug auf Pflanzen erfüllen sollten, gehört neben der Verankerungsmöglichkeit auch die Bereitstellung einer ausreichenden Menge an Nährstoffen und eine gute Wasserhaltefähigkeit.

künstlicher Dünger © dreamstime Gerade Gemüsebeeten, in denen dem Boden durch die Ernte Nährstoffe entnommen werden, müssen diese wieder zugeführt werden. Den Vorgang der Nährstoffzufuhr nennt man Düngung. Zuviel Dünger ist für Pflanzen und Boden jedoch genauso schlecht wie zuwenig, daher gilt immer: Soviel wie nötig, so wenig wie möglich.

Welche Nährstoffe werden benötigt?

Neben Wasser, Sauerstoff und Kohlenstoff in Form von Kohlenstoffdioxid, benötigen Pflanzen viele weitere Elemente, die meisten davon in sehr geringen Mengen. Letztere werden Spurenelemente genannt und spielen für die Düngung keine Rolle. Andere Nährstoffe benötigen Pflanzen jedoch in relativ großer Menge, weshalb es in Böden zu einem Mangel und Nachschubbedarf kommen kann. Zu diesen Nährstoffen gehören:

  • Stickstoff (N): wird von den Pflanze zum Aufbau von Blättern und für das Wachstum der Triebe benötigt. Er entweicht beim Abbau pflanzlicher Substanz schnell, da dabei gasförmige Stickstoffverbindungen entstehen. Wird häufig zusammen mit dem Kohlenstoff im sogenannten C/N-Verhältnis betrachtet. Zuviel Stickstoff im Boden führt zur Auswaschung von Nährstoffen, zu wenig (im Verhhältnis zu C) hemmt die Aktivität des Bodenlebens. Kann durch Gründüngung mit stickstoffbindenden Pflanzen (Leguminosen: Klee, Lupinen, Bohnen, Erbsen) dem Boden zugeführt werden.
  • Phosphor (P): brauchen Pflanzen zur Blütenbildung. Ist vor allem in Knochenmehl enthalten, in deutlich geringerer Menge auch in Hühnermist.
  • Kalium (K): ist wichtig für die Wurzelbildung, die Festigkeit und Widerstandskraft sowie für die Kälteunempfindlichkeit von Pflanzen. Kalium kann mit dem Kompost zugeführt werden und ist in besonderem Maße in rohen Kartoffelschalen und Holzasche enthalten.
  • Eisen (Fe): wird für Stoffwechselvorgänge benötigt, z.B. für die Bildung von Chlorophyll. Bei Mangel, der durch Bodenverdichtung oder zuviel Kalk im Boden verursacht werden kann, sterben die Pflanzen vom Rand her ab. Eisenmangel ist daher an gelben Blatträndern erkannbar.
  • Magnesium (Mg): ist ebenfalls für viele Stoffwechselvorgänge notwendig, Mangel macht sich durch weiße, ledrige Blattränder bemerkbar. Kann durch Algenmehl zugeführt werden.

Da nicht immer erkennbar ist, welche Nährstoffe im Boden fehlen, sollten auch Hobbygärtner etwa alle zwei bis vier Jahre eine Bodenprobe analysieren lassen. Auf diesem Wege wird auch der pH-Wert ermittelt, der für die Mikroorganismen und die Nährstoffverfügbarkeit ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Bodenanlysen werden gegen eine geringe Gebühr von "Service de pédologie" der Ackerbauverwaltung durchgeführt.

pH-Wert

Wenn der Boden zu sauer, der pH-Wert also zu niedrig ist, wird das Bodenleben träge und die Fähigkeit der Pflanzen Nährstoffe aufzunehmen sinkt. Zugleich steigt die Gefahr der Nährstoffasuwaschung. Die Zugabe von Kalk erhöht den pH-Wert und kann so bereits die Nährstoffverfügbarkeit erhöhen. Für den Anbau von Obst und Gemüse sollte der pH-Wert des Bodens idealerweise zwischen 5,5 und 6,5 liegen.

Welche Dünger gibt es?

Prinzipiell wird zwischen organischen und mineralischen Düngern unterschieden, wobei letztere häufig mit den synthetischen Düngern gleichgesetzt werden. Organische Dünger können jedoch heute ebenfalls künstlich hergestellt werden und mineralische Dünger liegen auch in natürlicher Form vor, so z.B. Kalkmehl.

Der Unterschied zwischen organischen und mineralischen Düngern besteht in der Form der Nährstoffbindung. In organischen Substanzen (Pflanzen- und Tierresten oder Exkrementen) sind die Nährelemente noch in Kohlenstoff-Verbindungen enthalten und müssen erst durch die Abbautätigkeit von Mikroorganismen freigesetzt werden, bevor sie in für die Pflanzen nutzbar sind. Aus natürlichen Mineraldüngern werden die Nährstoffe bereits durch Wasser herausgelöst und stehen so den Pflanzen relativ schnell zur Verfügung. Organischer Dünger gelten daher als Langzeitdünger, deren Wirkung erst nach einer gewissen Zeit einsetzt, diese dann aber länger anhält.

Synthetische Dünger stellen Nährstoffe in Form von Salzen zur Verfügung, die direkt in die Bodenlösung übergehen und mit dem Wasser von den Pflanzen aufgenommen werden. Diese Dünger wirken schnell, die Nährstoffe stehen nur kurzzeitig zur Verfügung, werden ebenso schnell ausgewaschen und gelangen so ins Grundwasser.

Wann soll gedüngt werden?

Gedüngt wird eigentlich nur während der Wachstumsperiode, da es sonst aufgrund der sehr beschränkten pflanzlichen Stoffaufnahme zu Überdüngung und Auswaschung der Nährstoffe kommen kann. Ob der Boden prinzipiell Dünger benötigt und welche Nährstoffe im Besonderen zu wenig vorhanden sind kann am besten durch Bodenanalysen herausgefunden werden. So können Düngungsmaßnahmen und -gaben an den Bodenzustand angepasst werden. Dabei muss auch der pH-Wert unbedingt beachtet werden.

Pflanzenanzeichen, die auf Nährstoffmangel hindeuten:

  • gelbe Verfärbungen an den Blättern: Stickstoffmangel
  • außergewöhnlich geringe Blüten- und Fruchtentwicklung: Phosphormangel
  • ältere Blätter verfärben sich an den Ränder gelb: Kaliummangel
  • junge Blätter werden vom Rand her gelb, Blattadern treten grün hervor: Eisenmangel

Welche Dünger nutze ich im naturnahen Garten?

In naturnahen Gärten sollten aufgrund der Überdüngungs- und Auswaschungsgefahr ausschließlich natürliche Dünger zum Einsatz kommen. Diese sind kostengünstig, energiesparend und vollkommen umweltverträglich selbst herstellbar und ihre Nutzung schließt den natürlichen Kreislauf. Neben den verschiedenen Düngerarten, gibt es auch unterschiedliche Möglichkeiten, dem Boden die Nährstoffe in Form organischer Substanz zuzuführen. Einige werden im Folgenden erläutert:

  • Kompost

Es handelt sich um mehr oder weniger zersetztes organisches Material, das im Laufe der Zeit zu stark humoser Gartenerde abgebaut wird. Das Ausgangsmaterial setzt sich in Hausgärten vor allem aus Garten- und Küchenabfällen zusammensetzen und kann auch Tierexkremente und Stroh (Mist) enthalten. Kompost gehört zu den wertvollsten Düngern, da er Nährstoffe in einer ausgewogenen Zusammensetzung liefert und zudem durch seinen Humusgehalt zu einer Verbesserung der Bodenstruktur und des Bodenlebens beiträgt.

Anwendung: Komposterde locker auf den Boden geben und leicht einarbeiten. Nicht untergraben!

  • Brennnesseljauche

Brennnesseljauche ist ein hervorragender Stickstoffspender und lockt Regenwürmer an, die beim Abbau organischer Substanz und insbesondere für die Bodenstruktur eine wichtige Rolle spielen. Weitere Vorteile von Brennnesseljauch ist ihre abschreckende Wirkung auf Schädlinge, wie Blattläuse.

Anwendung: Für junge Pflanzen und Setzlinge nimmt man zur ersten Düngung eine Konzentration von 1:20, d. h. 1 Teil Brennnesseljauche und 20 Teile Wasser. Eine wöchentliche Düngung mit einem Mischungsverhältnis von 1:50 ist empfehlenswert. Mit diesem Mischungsverhältnis kann auch der Rasen gedüngt werden. Für ältere und große Pflanzen eignet sich das Mischungsverhältnis von 1:10. Bei Unsicherheit ist weniger mehr!

  • Gründüngung

Unter Gründüngung versteht man die Förderung der Humusbildung und die Zugabe von Nährstoffen in Form von grünem Pflanzenmaterial. Dabei kann es sich sowohl um Ernterückstände als auch um extra eingesäte Pflanzen handeln, die nach dem Schnitt auf dem Boden liegengelassen oder bei Bedarf eingearbeitet werden. Diese Pflanzen haben meist mehrere Aufgaben und dienen bereits während ihres Wachstums der Bodenverbesserung durch tiefgründige Bodenlockerung (Sonnenblumen) oder durch Stickstoffbindung mit Hilfe von Knöllchenbakterien an den Wurzeln (Leguminosen wie Klee, Lupine, Erbsen, Bohnen, Wicken). Ebenso können diese Zwischenfrüchte als Bienenweiden (Phazelia) oder der Schädlingsvermeidung (Senf und Ölrettisch gegen Nematoden) dienen, oder im Frühjahr als schnellwüchsige Sorten den benachbarten Jungpflanzen Windschutz bieten.

Anwendung: Bei der Sommeranwendung werden einjährige Pflanzen auf Freiflächen oder zwischen Dauerkulturen gesät. Nach der Blüte, vor der Aussaat werden die Pflanzen gemäht und auf der Fläche belassen. Mehrjährige Pflanzen werden über den Winter stehengelassen und schützen so den Boden vor Erosion und zu starker Auskühlung. Nach dem Winter werden die Pflanzen geschnitten und im Frühjahr baldmöglichst in den Boden eingearbeitet (nicht umgraben!). So ist das Beet wieder bereit für den Anbau von Obst und Gemüse.

Die Gründüngung bietet sich insbesondere in Fruchtwechselsystemen an, bei denen in einem Beet nie ein Gemüse zweimal hintereinander angebaut wird. Es handelt sich dabei zwar nicht um eine Form des Düngens sollte an dieser Stelle jedoch nicht unerwähnt bleiben, da der Fruchtwechsel unter anderem dem langfristigen Bodenschutz dient. Durch den mindestens dreijährigen Wechsel der Anbaufrüchte wird einer Bodenermüdung durch einseitigen Nährstoffentzug vorgebeugt. Empfohlen wird ein Wechsel zwischen stark nährstoffzehrenden Pflanzen (Starkzehrer), mittel- und schwachzehrenden Arten. Danach kann im vierten Jahr eine Gründüngung stattfinden bevor anschließend wieder Starkzehrer auf der Fläche angebaut werden.

Neben dem Bodenschutz dient der Fruchtwechsel auch dem Pflanzenschutz, indem Krankheiten und Schädlinge, die meist auf eine Pflanzenart oder -familie spezialisiert sind, nicht mit ins nächste Jahr verschleppt werden. Grundsätzlich sollten keine Pflanzen aus einer Familie nacheinander folgen.

  • Mist

Mist eine Mischung aus tierischen Exkrementen und einem festen Bindemittel, meist Stroh, Streu oder Heu.

Anwendung: Im Garten wird Mist auf dem Boden ausgestreut und sollte gleich eingearbeitet werden, damit die Stickstoffverbindungen nicht verloren gehen. Wenn Mist auf dem Kompost liegt darf dieser nicht mit Kalk behandelt werden, da dem Mist sonst vorzeitig die Nährstoffe entzogen werden.

  • Hornspäne und Knochenmehl

Horn wird von Tierhufen und Hörnern gewonnen und reichert den Boden mit Stickstoff und Phosphor an, zudem wirkt Horn humusbildend. Knochenmehl ist ein wichtiger Phosphordünger. Man erhält es meist dort, wo man auch andere Dünger in größeren Mengen kaufen kann, z.B. bei landwirtschaftlichen Genossenschaften.

Anwendung: Entweder direkt auf die feuchte Erde verteilen und dann leicht einarbeiten, oder direkt ins Pflanzloch dazugeben. Horn kann auch zum Kompost gemischt werden, wo es die Verrottung fördert und den Nährstoffgehalt erhöht.

  • Kalk

Kalk lässt sich in unterschiedlichen Formen dem Boden zuführen. Neben Kalk-Gesteinsmehlen kann in naturnahen Gärten auch Algenkalk verwendet werden. Die Zugabe von Kalk treibt den pH-Wert des Bodens in die Höhe und trägt so zur Aktivierung des Bodenlebens und einer Verbesserung der Nährstoffverfügbarkeit und Nährstoffbindung im Boden bei. Zudem werden durch Kalk die Wurzelbildung und Photosynthese gefördert.

Anwendung: Menge und Zusammensetzung der ausgebrachten Kalkmehle sind vom Zustand des Bodens abhängig. Daher sind regelmäßige Bodenanalysen auch für Hobbygärtner zu empfehlen. Sandhaltige, leichte Böden benötigen für eine günstige Nährstoffversorgung einen höheren pH-Wert als schweren Böden mit einem hohen Ton- bzw. Lehmgehalten. Die unterschiedlichen Bedürfnisse können durch die Verwendung verschiedener Kalkpräparate erfüllt werden. Für leichte Böden werden Kalkmergel, Dolomit, Hüttenkalk und Kalksteinmehl bevorzugt, während Kalksorten wie Brannt- und Löschkalk vor allem für schwere Böden verwendet werden. (Quelle: www.richtig-duengen.de)

Gefahren durch Überdüngung

Ist die Düngergabe zu hoch, können nicht alle eingebrachten Nährstoffe vom Boden oder den Pflanzen aufgenommen werden. Überschüssige Stoffe werden daher ausgewaschen und gelangen ins Grundwasser wo eine Anreicherung von Nährstoffen zu Verunreinungungen führt und bei Austritt in Oberflächengewässer die Eutrophierung dieser vorantreibt. Die Nährstoffanreicherung ist heute vor allem in Seen ein ökologisches Problem, da der Lebensraum vieler Arten, die auf nährstoffarme Gewässer angewiesen sind, immer weiter eingeschränkt wird.

Die Pflanzen selbst können bei zu hoher Düngergabe durch die Verbrennung ihrer Wurzeln geschädigt werden.