Naturkosmetik
Naturkosmetik
Sich zu schminken scheint zu den Grundbedürfnissen des Menschen zu gehören, denn schon die Urmenschen fingen an sich zu bemalen; davon zeugen heute noch die prähistorische Funde. In allen Kulturen, über die ganze Welt verstreut, kann man Formen der Kosmetik finden. Dies geht von dem Schminken, über die Kriegsbemalung, bis hin zur Bestattungskosmetik der Toten.
Verstanden wird unter dem Begriff „Kosmetik", der aus dem Altgriechischen kommt und „ordnen, schmücken" bedeutet, alle möglichen Formen der Verschönerung des Körpers, sei es nun durch das Auftragen von Farben auf Haut und Haare, durch das Pflegen der Haut mit Salben oder durch die Verbesserung der Körpergerüche durch Waschen und Parfümieren. Fließend ist der Übergang zwischen Kosmetik, Hygiene und Wellness, denn in all diesen Bereichen steht die Verbesserung und der Erhalt des Körpers im Mittelpunkt. Logischerweise war zur Zeit der alten Ägypter und Griechen jegliche Kosmetik natürlichen Ursprungs. Neu entdeckt wird seit kurzem genau diese Naturkosmetik! Aber warum?
Segen und Laster der modernen Kosmetik
In der Moderne wurde die Naturkosmetik nach und nach durch synthetisch hergestellte Kosmetik ersetzt: mit Hilfe von Farbstoffen wurden die Schminkpaletten immer breiter gefächert, Duftstoffe ließen Salben und Crèmes immer exotischer riechen und Konservierungsstoffe, sowie auch Emulgatoren, ermöglichten ab jetzt eine bessere Haltbarkeit der Produkte. Fabriken können seit der Industrialisierung die Inhaltsstoffe am fließenden Band produzieren, was mühseliges Wildsammeln und Züchten erspart. Dies wurde zu Anfang als wahrer Segen gefeiert und die Kosmetikwelt lebte auf. Doch wie die meisten, auf ersten Blick so perfekt erscheinenden, Dinge machten sich auch bei der modernen Kosmetik nach und nach die Haken bemerkbar:
In unserer, von so manchen Abgasen belasteten, Welt werden unsere Körper mehr und mehr dem Kontakt mit chemischen Stoffen ausgesetzt: über die Luft, das Wasser und sogar die Nahrungsmittel. Wenn dazu dann auch noch synthetische Farb- , Konservierungs- und Duftstoffe auf unseren Körper geschmiert werden, dann kommt es häufig vor, dass der Körper sich mit Hilfe von Allergien gegen diese Fremdstoffe zu wehren beginnt.
Manchmal wird er durch die vielen Fremdstoffe dermaßen verwirrt, dass er nicht mehr richtig zwischen den alltäglichen, natürlichen Stoffen und den Fremdstoffen zu unterscheiden vermag, was dann zum Beispiel zu Lebensmittelallergien und Heuschnupfen führen kann. Aber auch können verschiedene Hautreizungen und Entzündungen direkt von den Stoffen ausgelöst werden. So weiß man, dass Emulgatoren, die Öle und Fette in den Kosmetikartikeln zusammenhalten, andere Fremdstoffen in unseren Körper einschleusen können: Emulgatoren haben die Fähigkeit, tief in die Haut einzudringen und können dabei andere Stoffe, insbesondere Konservierungsstoffe, mit einschmuggeln, die ohne sie nicht eindringen könnten. Jetzt könnten wir doch davon ausgehen, dass diese Konservierungsstoffe vielleicht auch unsere Haut „konservieren", das wäre ja praktisch!
Leider werden wir jedoch enttäuscht: Konservierungsstoffe die z. B. Formaldehyde abspalten, lassen die Haut, im Gegensatz, vorzeitig altern und es besteht der berechtigte Verdacht, dass sie krebserregend sind. Also Hautalterung statt Konservierung! Konservierungsstoffe aus halogenorganischen Verbindungen rufen hingegen, ach wie harmlos, „nur" allergische Reaktionen hervor. Hautlotionen, die dazu dienen, unsere Haut vor dem Austrocknen zu schützen, werden oft aus chemisch erzeugten Paraffinen und anderen Erdölprodukten hergestellt. Diese kleistern in hohen Konzentrationen die Haut zu und hindern sie daran zu atmen, was wiederum ihre frühzeitige Alterung zur Folge haben kann.
Fazit ist also: mit der chemischen Revolution der Kosmetik wurde das Ziel weit verfehlt. Anstatt unseren Körper zu „schmücken" und ihn auf lange Sicht „in Ordnung" zu halten, zerstören so manche Produkte seine natürliche Schönheit! Nicht alle! Aber wenn Sie weder Chemieexperte, noch Labormediziner, noch Dermatologe sind, werden Sie dem Fachchinesisch auf der Packungsbeilage wohl kaum die Warnung entlocken können, die ihnen sagt, ob das Produkt nun eher gut oder schlecht für Ihre Haut ist. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, setzt auf die moderne Naturkosmetik!
Was versteht man denn unter moderner Naturkosmetik?
Leider ist der Begriff „Naturkosmetik" noch nicht geschützt und es gibt noch keine rechtsverbindliche Definition dafür. Theoretisch kann also jedes Produkt, das auch nur einen einzigen Tropfen natürliches Öl enthält, unter dem Trendnamen „Naturkosmetik" vermarktet werden. Deshalb gibt es mittlerweile schon die ersten Qualitätslabels, die auch „Natur" im Inhalt garantieren, wo „Natur" draufsteht!
So garantieren die im Bundesverband Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren und Körperpflegemittel (BDIH) organisierten Naturkosmetikhersteller einen einheitlichen Qualitätsstandard mit ihrem Prüfzeichen „Kontrollierte Naturkosmetik". Auch die „neuform Vereinigung Deutscher Reformhäuser" versichert mit ihrem neuform-Warenzeichen den Einhalt verschiedener Kriterien. Die Kriterien variieren leicht von Label zu Label, doch im Großen und Ganzen haben sie gemeinsame Grundideen:
- Es sollen nur pflanzliche, tierische oder mineralische Naturstoffe verwendet werden, die nachwachsen und sich leicht abbauen lassen.
- Organische Rohstoffe sollen soweit wie möglich aus kontrolliertem biologischem Anbau stammen oder aus kontrolliert biologischer Wildsammlung. Auch auf „fair trade" wird Wert gelegt.
- Die Inhaltsstoffe sollen schonend und umweltfreundlich verarbeitet werden.
- Inhaltsstoffe von gentechnisch veränderten Pflanzen oder Tieren werden abgelehnt.
- Bei der Entwicklung und Herstellung dürfen keine Tierversuche stattfinden.
- Tierische Stoffe dürfen nur von lebenden Tieren stammen (Bienenwachs, Wollfett,...).
- Naturidentische Konservierungsstoffe, wie Benzoesäure, Salicylsäure und Sorbinsäure, sind erlaubt, wenn sie auf der Packung nachzulesen sind. Dies ist wichtig, denn keimbefallene Kosmetika können wiederum schädlich für den Körper sein.
- Die Verpackungen sollen möglichst sparsam, umweltverträglich und recyclingfähig sein.
Neben diesen kompletten Gütesiegeln gibt es auch noch Labels, die exklusiv für einen oder den anderen dieser Punkte stehen. So zeichnet das Symbol eines Kaninchens, über dem eine schützende Hand schwebt, Produkte aus, die garantiert ohne Tierversuche hergestellt wurden. Produkte aus Rohstoffen aus biologischem Anbau werden mit dem Kürzel „kbA" ausgezeichnet.
Body Shop & Co.
Sehr berühmte Marken wie Body Shop haben wohl den Trend der Naturkosmetik so richtig ins Rollen gebracht mit ihren Werbekampagnen. Aber sind das wirklich Naturkosmetikprodukte die dort vermarktet werden?
Ina Mersch schreibt am 15.02.2007 in einer ARD-Reportage hierzu folgendes:
« Wer nach wirklicher Naturkosmetik schaut, sollte sich auch nicht von Filialisten wie "Body Shop" oder "Spinnrad" täuschen lassen. Beiden hängt ein ökologisches Image an, sie sind jedoch keine wirklichen Naturkosmetik-Hersteller. Bei "Spinnrad" achtet man zwar bei der Auswahl der Rohstoffe auf ökologische Kriterien, es wird aber keine Naturkosmetik im eigentlichen Sinne hergestellt. Das trifft auch auf die Firma "Body Shop" zu: Ihre Produkte sind sozialverträglich hergestellt und bieten dem Verbraucher "naturnahe" Produkte, aber diese sind nicht grundsätzlich frei von synthetischen Hilfsstoffen, wie zum Beispiel Konservierungsstoffen oder Emulgatoren. Hervorzuheben ist allerdings deren Kampagne gegen Tierversuche in der Kosmetikindustrie, womit "Body Shop" sich deutlich vom Rest der konventionellen Branche abhebt. » (Quelle: www.ard.de)
Ist Naturkosmetik immer gut für den Körper?
Mit der Kosmetik ist es wie mit Medikamenten: es muss immer überdacht werden, ob es Sinn macht, sie zu benutzen. Auch wenn Naturkosmetik in der Regel weniger schädlich ist als synthetische Kosmetik, muss auch hier doch auf die richtige Anwendung geachtet werden. So reibt man eine fettige Haut wohl kaum mit einer fettenden Crème ein oder eine Trockene Haut darf nicht mit alkoholreichen Produkten behandelt werden. Jeder Arzt und Apotheker kann Sie hierzu beraten, aber auch die Literatur bietet viel allgemeine Aufklärung darüber, welche Haute oder welches Haar wie behandelt werden sollte.
Was nun Allergien betrifft, so kann eine Naturcreme genauso allergische Reaktionen auslösen wie eine normale Crème, denn viele Menschen sind auf Lanolin, Propolis, Lorbeer, Ringelblume oder Teebaumöl allergisch. Jedoch stimuliert Naturkosmetik nicht das Auftreten weiterer Allergien durch Fremdstoffbelastung.
Empfindliche Haut kann durch ätherische Öle gereizt werden. Manche haben aggressive Wirkungen auf Hautzellen, da sie in der Natur die Pflanzen davor bewahren sollen, gefressen zu werden. Wenn sie jedoch für die menschliche Nase gut riechen, kommen sie in der Kosmetik zum Einsatz. Diese Stoffe können dann in zu hohen Dosierungen die Haut reizen.
Ein weiteres Gesundheitsrisiko geht von Kosmetika ganz ohne Konservierungsstoffe aus. Diese können von Keimen befallen werden. Keime können sich stark vermehren, wenn das Produkt nicht zügig verbraucht wird. Diese Bakterien und Pilze führen oft zu Entzündungen und Hautreizungen. Deshalb ist geraten, natürliche Konservierungsstoffe in der Kosmetika zu akzeptieren.
Ob Sie nun von der Naturkosmetik überzeugt sind oder nicht, das ist Ihre Endscheidung. Als allgemeine Regel gilt: Benutzen Sie so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich!

















