Siegel & Zertifikate
Siegel und Zertifikate
Der Einsatz von Chemikalien bei der Herstellung, Verarbeitung und dem Gebrauch von Textilien ist bekanntermaßen sehr hoch und soziale Mindeststandards werden in vielen Herstellungsländern nicht erreicht.
Seit dieses Wissen immer mehr auch bei den Verbrauchern ankommt, steigt die Nachfrage nach fair und ökologisch produzierten Textilien stetig an. Und mit der Nachfrage nimmt selbstverständlich nicht nur das Angebot „ökofair" produzierter Textilien, sondern auch die Zahl von Öko-Siegeln zu.
Doch woran kann man erkennen, dass die Jacke, das Handtuch oder meine Schuhe auch wirklich aus nachhaltiger Produktion stammen? Denn im Gegensatz zu Lebensmitteln sind bei Textilien Begriffe wie „ökologisch" oder „biologisch" nicht geschützt.
Mayago versucht ein wenig Durchblick in den dichten Dschungel von Siegeln, Zertifikaten und alltäglich verwendeten Begriffen zu bringen.
Bevor einzelne Siegel vorgestellt werden, hier noch eine kurze Einführung:
Textil-Siegel müssen in institutionelle Siegel und unternehmensgebunde Markenzeichen unterschieden werden. Letztere dienen in erster Linie der Verkaufsförderung und unterliegen meist firmeneigenen Richtlinien. Die Kontrolle erfolgt ebenfalls in den meisten Fällen durch firmeneigene Prüflabors. Institutionelle Textil-Siegel werden hingegen von unabhängigen Zertifizierungsorganisationen vergeben und können von allen Herstellern beantragt werden. Die Kontrollen werden regelmäßig und von unabhängigen Prüflabors durchgeführt. Auf die unternehmensgebunde Markenzeichen soll im Folgenden nicht genauer eingegangen werden.
Eine andere Einteilung der Textil-Siegel unterscheidet zwischen „Schadstoff-Labeln", „Umwelt-Labeln", „Sozial-" und "Nachhaltigkeits-Labeln". Die „Schadstoff-Label" weisen lediglich darauf hin, dass die gekennzeichneten Textilien keine umwelt- oder gesundheitsgefährdeten Stoffe mehr enthalten, wenn sie in den Handel kommen. „Umwelt-Label" wie die EU-Öko-Blume sollen die ökologischen Bedingungen, „Sozial-Label" die sozialen Bedingungen während des Herstellungsprozesses verbessern. Die Richtlinien für die Vergabe von "Nachhaltigkeits-Labeln" sind hingegen auf eine ganzheitliche Betrachtung der textilen Produktion ausgelegt. Sie behandeln sowohl ökologische als auch soziale, gesundheitliche und qualitative Aspekte.
Institutionelle Textil-Siegel
„Schadstoff-Label"
Öko-Tex Standard 100
Der Öko-Tex-Standard 100 gehört zu den Zeichen, die für Verwirrungen sorgen können. Er wird von einem Zusammenschluss von 14 unabhängigen Textilforschungs- und Prüfungsinstituten und ihren Zweigstellen vergeben und bescheinigt lediglich die gesundheitliche Unbedenklichkeit eines textilen Roh-, Zwischen- oder Endprodukts. Dieses muss nicht aus Naturfasern bestehen oder ohne giftige Chemikalien verarbeitet worden sein. Im Gegensatz zu anderen Öko-Siegeln wird beim Öko-Tex-Standard 100 nicht der Herstellungsprozess an sich, sondern nur die jeweiligen Endergebnisse von den anerkannten Kontrollstellen überprüft. Innerhalb verschiedener Produktklassen, wie Babytextilien oder Dekorationsmaterialien, wurden für eine große Anzahl chemischer Stoffe Grenzwerte festgelegt, die über die Vergabe des Öko-Siegels entscheiden.
- Wird von der "Öko-Tex International - Prüfgemeinschaft umweltfreundliche Textilien" auf Antrag vergeben und kontrolliert
- Gilt für 12 Monate und kann auf Antrag nach erneuter Prüfung verlängert werden
- Geprüft werden Textilien und ledrige Produkte und alle ihre Bestandteile wie Nähgarn, Druckknöpfe, Reißverschlüsse und Etiketten
- Die jährlichen Untersuchungen erfolgen an Mustern und nicht an Artikeln aus dem Handel
- Unangekündigte Kontrollen sind möglich
- Gebrauchsnahe Prüfung, d.h. Tests orientieren daran, wie Schadstoffe beim Gebrauch der Textilien in den Körper gelangen können (Einatmen, Aufnahme über die Haut oder orale Aufnahme)
- Darunter fallen gesetzlich verbotene und reglementierte Substanzen, bekanntermaßen gesundheitsbedenkliche Chemikalien sowie Gesundheitsparameter (Bsp. hautfreundlicher pH-Wert) geprüft
- Die Öko-Tex Label sind nur gültig, wenn sie eine Prüfnummer enthalten und das Prüfinstitut ausgewiesen ist
Im Internet kann mit Hilfe der Zertifikatnummer die Gültigkeit des Öko-Tex Labels überprüft werden: www.oekotex.com
Toxproof
Bei diesem Zeichen handelt es sich um ein vom TÜV Rheinland entwickeltes Siegel, das ausschließlich die Schadstofffreiheit des Endproduktes garantiert. Die Kriterien ähneln denen des Öko-Tex-Siegels. Umwelt- und Sozialstandards in der Produktionskette werden bei den Untersuchungen außer acht gelassen. Kontrolliert wird von unabhängigen Stellen.
SG - Schadstoffgeprüft
Ebenfalls vom TÜV-Rheinland, in Zusammenarbeit mit der Umwelt GmbH, dem SGS Institut Fresenius GmbH und dem Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens entwickelt, wird dieses Label an Lederprodukte (u.a. Bekleidung und Schuhe) vergeben, die als Endprodukte keine gesundheitsgefährdenden Stoffe enthalten, bzw. nur in Mengen, die als unbenklich gelten. Für Kleinkindartikel bestehen besonders strenge Richtlinien. Ökologische und soziale Aspekte bleiben unberücksichtigt. Die oben genannten Institute sind auch für die jährlichen, stichprobenartig genommenen Prüfungen und die Vergabe des Zeichens zuständig.
„Sozial-Label"
Fair Wear Foundation
Bei der Fair Wear Foundation (FWF) handelt es sich um eine Stiftung, die 1999 von niederländischen Gewerbeverbänden der Bekleidungsindustrie, Entwicklungsorganisationen und anderen an fairen Arbeitsbedingungen Interessierten gegründet wurde. Ziel ist es, die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie zu verbessern.
Die Mitglieder von FWF verpflichten sich in ihren Firmen die Richtlinien der Stiftung anzuerkennen und die Bedingungen für ihre Angestellten zu verbessern. Die Richtlinien basieren auf denen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und bestehen aus acht Arbeits-Standards. Die Stiftung berät die Unternehmen bei der Umsetzung der Richtlinien und kontrolliert die Fortschritte.
Kunden, die FWF zertifizierte Kleidungsstücke kaufen, können sich sicher sein, dass in den Mitgliedsbetrieben faire Arbeitsbedingungen herrschen. Zwar kann bei den Zulieferer-Firmen nicht von Anfang an für 100 % faire Arbeitsbedingungen garantiert werden, ernste Verstöße wie Kinder- und Zwangsarbeit oder gesundheitsschädliche Bedingungen müssen jedoch schnellstmöglich beendet werden.
Die acht Arbeits-Standards der FWF (basierend auf den Standards der ILO)
- keine Zwangsarbeit
- keine Diskriminierung der Arbeiter
- keine Kinderarbeit
- Recht auf Gewerkschaften und Tarifverhandlungen
- Zahlung des Existenzminimums
- Keine extremen Überstunden
- Sichere und gesunde Arbeitsplätze
- Legale Arbeitsverträge
FAIRTRADE/TRANSFAIR
Seit 2007 ist in Luxemburg Baumwolle erhältlich, die mit dem Fairtrade -Siegel ausgezeichnet ist und vorwiegend aus Afrika, Peru und Indien stammt. Hersteller und Händler, die ihre Baumwolle mit dem Fairtrade-Siegel auszeichnen wollen, verpflichten sich vertraglich die Kriterien der Fairtrade Labelling Organizations International (FLO) einzuhalten. Dazu gehört beispielsweise die Zahlung fester Mindestpreise (je nach Region 36 bis 51 Euro-Cent pro Kilo Baumwolle) sowie die Zahlung einer Fairtrade-Prämie von 5 Euro-Cent je Kilo. Konventionell produzierende Bauern erhalten lediglich 24 ct für ein Kilo Baumwolle. Stammt die Baumwolle aus biologischem Anbau, steigen die Mindestpreise je nach Region noch einmal an. Durch die Mindestpreise können die Lebensbedingungen der Bauern erheblich verbessert werden. Die Fairtrade-Prämien fließen in gemeinsame soziale Projekte der Kooperativen wie den Bau von Schulen oder in die Gesundheitsfürsorge.
Fairtrade fördert eine nachhaltige und daher umweltfreundliche Produktion. So wird die zertifizierte Baumwolle natürlich bewässert und von Hand gepflückt. Genmanipuliertes Saatgut ist verboten.
Die Richtlinien werden von den Fairtrade Labelling Organizations International (FLO) erstellt und von dem unabhängigen Kontrollorgan FLO-Cert regelmäßig (einmal jährlich) kontrolliert. Auch die weiterverarbeitenden Betriebe müssen die Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) einhalten.
Fairtrade-Kriterien für Baumwoll-Produzenten:
- Verbot von Zwangsarbeit und illegaler Kinderarbeit
- Keine Diskriminierung von Frauen in den Kooperativen
- Demokratische Eigenorganisation der Kooperativen
- Transparenz von Management und Verwaltung
- Kooperativen müssen politisch unabhängig sein
Fair gehandelte Baumwolle ist als Kleidung, Bettwäsche, Badtextilien und im Kosmetikbereich (Wattebäusche) erhältlich.
„Umwelt-Label"
Öko-Blume (Textilien)
Das EU-Öko-Siegel wird von der Europäischen Kommission bzw. den zuständigen nationalen Stellen vergeben. Es gilt für eine Vielzahl von Produktgruppen, für die vom Ausschuss für das Umweltzeichen (AUEU) unterschiedliche Richtlinien ausgearbeitet werden. Diese sollen den gesamten Herstellungszyklus des zertifizierten Produkts umweltfreundlicher gestalten als üblich und sicherstellen, dass die Endprodukte keine gesundheitsgefährdende Stoff enthalten.
Zu den Kriterien zählen u.a. die Reduzierung des Energie- und Wasserverbrauchs, die Vermeidung von Abfall und Verminderung der Wasser- und Luftverschmutzung sowie die Verwendung von Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Die Umweltauswirkungen müssen für alle Stufen der Herstellungskette wissenschaftlich analysiert werden.
Neben der umweltfreundlicheren Gestaltung der Herstellungsverfahren werden von der EU auch Grenzwerte und Verbote für Inhalts- und Hilfsstoffe festgelegt. Diese sind jedoch weniger streng als die Grenzwerte die Öko-Tex in seinen Richtlinien festschreibt.
Die Kriterien des EU-Öko-Zeichens werden so festgelegt, dass sie bereits von 30 % der auf dem Markt befindlichen Produkte einer Produktgruppe erfüllt werden können.
Die Richtlinien müssen für jede Produktgruppe von einer Mehrheit der Mitgliedstaaten angenommen werden und gelten dann für drei Jahre. Danach werden sie überarbeitet und je nach technologischem Stand verschärft.
Zusätzlich zu den Umweltstandards werden von der EU auch Qualitätskriterien wie die Farbechtheit der Produkte überprüft.
- Faserproduktion wie der Baumwollanbau wird bei Kontrollen nicht berücksichtigt
- Arbeitsbedingungen werden ebenfalls nicht berücksichtigt
- Unangekündigte Kontrollen durch den Verein für Konsumenteninformation (VKI) und unabhängige Berater und Prüfer
- zeitliche Befristung der Zeichennutzung, bei Änderung der Kriterien ist nach Ende des Vertrags eine erneue Antragsstellung erforderlich, ansonsten verlängert sich der Vertrag.
- Vergabekriterien und -verfahren sind für jeden zugänglich.
- Grenzwerte weniger streng als bei Öko-Tex
Zu den geprüften Produkten zählen Textilbekleidung, Accessoires (z.B. Taschentücher, Kopftücher, Handtaschen, Gürtel) und Heimtextilien aus mind. 90 Gewichts-% Textilfasern sowie Fasern, Garn und Gewebe zur Verwendung der genannten Textilien
Öko-Blume (Schuhe)
Das europäische Umweltzeichen gibt es auch für Schuhe. Wie das EU-Textil-Siegel soll auch die Öko-Blume für Schuhe gewährleisten, dass der Herstellungsprozess weitgehend umweltfreundlich und das Endprodukt frei von gesundheitsgefährdenden Stoffen ist.
So werden unter anderem Grenzwerte für Chrom und Blei sowie Vorgaben zur Behandlung des Abwassers oder der Verwendung von Verpackungsmaterial festgeschrieben. Zudem ist der Einbau elektronischer Komponenten inSchuhe verboten.
Wie bei der EU-Öko-Blume für Textilien werden auch bei der Vergabe des Schuh-Siegels die Arbeitsbedingen nicht berücksichtigt. Es handelt sich um ein an ökologischen, gesundheitlichen und qualitativen Aspekten ausgerichtetes Zertifizierungsverfahren.
Die Festlegung der Richtlinien und die Vergabe des Zeichens entspricht den Prozeduren des EU-Öko-Labels und ist im Absatz Öko-Blume (Textilien) beschrieben.
EKO-Quality-Symbol
In den Niederlanden wurde Skal vom niederländischen Ministerium für Landwirtschaft, Natur und Lebensmittelqualität als offizielle Zertifizierungsstelle für ökologischen Landbau beauftragt. Sie kontrolliert neben der niederländischen Rohstoffproduktion auch die Verarbeitung und den Import von sowie den Handel mit ökologisch produzierter Ware und ist zuständig für die Vergabe des EKO-Quality-Symbols. Das Zeichen galt bis zur Ablösung durch das internationale GOTS-Label auch für Textilien, die aus Naturfasern hergestellt wurden.
"Nachhaltigkeits-Label"
NATURTEXTIL
Dieses Zeichen wird seit Januar 2000 vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN), einem Zusammenschluss von Textilunternehmen (früher: Arbeitskreis Naturtextilien), vergeben und zählt zu den anerkanntesten Öko-Siegeln.
Alle zertifizierten Textilien werden ausschließlich aus Naturfasern hergestellt, die aus kontrolliert biologischem Anbau bzw. von Tieren aus artgerechter Haltung stammen oder aus Betrieben in Umstellung.
Um das Vertrauen der Kunden in die Produkte zu stärken, legt NATURTEXTIL seine Herstellungsrichtlinien offen und versieht die Produkte mit einer Volldeklaration, in der alle Hilfsstoffe, die in der Herstellungskette verwendet werden, aufgelistet sind.
Das Öko-Siegel Naturtextil wird in zwei Stufen vergeben: „NATURTEXTIL better" und „NATURTEXTIL best", deren Herstellungskriterien in einigen Punkten voneinander abweichen.
Produkte, die mit dem blauen „Best"-Siegel ausgezeichnet sind, erreichen den höchsten heute realisierbaren Öko-Standard in der Textilindustrie.
Das braune „Better"-Siegel wird an Textilien vergeben, die ebenfalls einen hohen ökologischen und sozialen Standard erreichen, aufgrund der bislang begrenzten ökologischen Produktion von Naturfasern jedoch nicht alle Voraussetzungen des „Best"-Zertifikats erfüllen können.
Die sozialen Mindeststandards gelten laut IVN bei beiden Zeichen allerdings bislang nur für die Textilverarbeitung. Für die landwirtschaftliche Faserproduktion muss ein praktikables Kontrollsystem noch entwickelt werden. Der Verzicht von chemischen Düngemitteln und Pestiziden beim Baumwollanbau garantiert jedoch bereits jetzt bessere Arbeitsbedingungen, als jene die im konventionellen Anbau herrschen.
- Strenge ökologische und soziale Richtlinien für den gesamten Produktionsprozess, die über gesetzliche Regelungen hinausreichen
- Werden nur an Textilien aus Naturfasern vergeben
- Richtlinien und Vergabeverfahren sind für jeden zugänglich
- Volldeklaration aller in der Herstellungskette verwendeten Hilfsstoffe
- Transparenz des vollständigen Herstellungsweges
- Zertifizierung ist auf ein Jahr befristet
- Kontolliert werden die Betriebe mindestens einmal im Jahr von unabhängigen Prüfstellen (IMO- Institut für Marktökologie, CH-Sulgen und eco-Umweltinstitut, Köln); unangekündigte Kontrollen sind möglich
- Lizenznehmer müssen Rückstandstest vornehmen lassen
- Nur wenn Produkte in allen Punkten den Anforderungen entsprechen wird Qualitätszeichen vergeben
- Die sozialen Standards gelten wie bislang nur für die Verarbeitung, nicht jedoch für den Anbau der Fasern.
- Die sozialen Standards orientieren sich an den Richtlinien der Internationalen Arbeitsorganisation
Better-Siegel:
- Bestimmte Anteile an nicht ökologisch produzierten Fasern sind erlaubt, dies muss jedoch deklariert sein (s. GOTS)
- Ammoniakbehandlung, Chlorierung von Wolle und optische Aufheller sind verboten
- Die Behandlung von Baumwolle mit Natronlauge und eingeschränkten Hilfsmitteln ist erlaubt
- Für die Färbung sind schwermetallfreie, toxikologisch unbedenkliche Naturfarbstoffe oder synthetische Farbstoffe, deren permanenter Gehalt an adsorbierbaren organisch gebundenen Halogenen unter 1,0% liegt erlaubt. Bei Blau-, Grün- und Türkisfarbstoffe darf der Kupfergehalt maximal 5% betragen.
- Bei der Ausrüstung sind nur natürliche, gentechnikfreie Hilfsstoffe erlaubt
- Für bestimmte Behandlungen sind auch synthetische Hilfsmittel erlaubt, die jedoch strengen Anforderungen unterliegen
- Es dürfen auch synthetische Fäden sowie bei Applikationen, Nahtbändern, Schulterpolstern u.ä. bestimmte synthetische Materialien verwendet werden.
- Bei den verwendeten Zusatzmaterialien wie Knöpfen darf kein PVC, keine bedrohten Hölzer und kein Chrom oder Nickel eingesetzt werden
Best-Siegel:
- Rohfasern müssen zu 100 % aus zertifizierter* ökologischer Landwirtschaft stammen
- Die Behandlung von Baumwolle mit Natronlauge ist verboten
- Auch Blau-, Grün- und Türkisfarbstoffe dürfen kein Kupfer enthalten
- Nähte und Verzierungen dürfen ausschließlich Naturfasern oder baumwollummantelte Polyesterfäden verwendet werden
- Bei Wäsche ist eine Elasthanbeimischung von höchstens 10 % erlaubt
Die IVN vergibt auch ein Gütezeichen für nachhaltig produziertes Leder. Die Vorschriften für die Behandlung sind relativ streng. Chromgerbung ist ebenso verboten wie der Einsatz von stark formaldehydhaltigen Gerbstoffen. Die Gerbung mit Tran ist nur unter Beachtung der geltenden Artenschutzbestimmungen erlaubt.
Die verwendeten Farbstoffe müssen der EU-Verordnung (2002/61/EG) entsprechen und mit Ausnahme der Kupfer- und Eisen-Komplexfarbstoffe AOX- bzw. schwermetallfrei sein. Neben diesen Richtlinien existieren weitere Vorgaben für eingesetzte Hilfmittel und die Gewinnung der Tierhäute, die auf der Internetseite des IVN eingesehen werden können.
Eine Kurzform der Richtlinien für alle drei NATURTEXTIL-Siegel können Sie unter www.naturtextil.com abrufen.
Global Organic Textile Standard (GOTS)
2002 wurde auf einer Konferenz in Düsseldorf der Bedarf an weltweit geltenden Richtlinien für die Textilproduktion diskutiert. Im Rahmen dieser Konferenz wurde die „International Working Group (IWG) on Global Organic Textile Standard" gegründet, in der vier internationale Zertifizierungsorganisationen, darunter der IVN, zusammengeschlossen sind. Mit dem Ziel die ökologischen und sozialen Standards der Textilproduktion weltweit zu verbessern und zu vereinheitlichen wurde der Global Organic Textile Standard (GOTS) entwickelt. Die Richtlinien dieses zweistufigen Gütezeichens entsprechen weitgehend denen des „NATURTEXTIL better"-Siegels. Die beiden Stufen unterscheiden sich nur im Anteil der aus biologischer Landwirtschaft stammenden Fasern, der beim Label „grade 1" mindestens 95 %, beim Label „grade 2" mindestens 70 % betragen muss. Dementsprechend enthalten die jeweiligen Siegel den Zusatz „ökologisch" oder „ökologisch - in Umstellung" bzw. „hergestellt mit x % ökologischen Materialien" oder „hergestellt mit x % Materialien aus ökologisch - in Umstellung".
Wie das NATURTEXTIL-Siegel garantiert auch der GOTS verbesserte ökologische und soziale Bedingungen während der gesamten textilen Produktionskette. Die Richtlinien umfassen alle Prozesse von der Rohstoffproduktion über Verarbeitung und Verpackung und sogar den Im- und Export der Produkte.
- Bezieht sich nur auf Textilien aus Naturfasern
- Weltweit gültige Richtlinien und einheitliches Siegel
- Richtlinien entsprechen weitgehend denen des „NATURTEXTIL better"-Siegels
- Betriebe werden einmal im Jahr von zugelassenen Stellen überprüft. Zudem muss mit unangekündigten Kontrollen gerechnet werden
- Festgelegte Mindestanteile an ökologisch produzierten Fasern, wobei der Anbau oder die Tierhaltung nach den Kriterien der EU-Richtlinie 2092/91 oder des NOP (National Organic Program) der USA erfolgen müssen
- Die Richtlinien legen für jede Produktionsstufe ökologische Kriterien für Methoden und die Verwendung von Hilfsstoffen fest
- Die sozialen Standards gelten wie beim NATURTEXTIL-Siegel bislang nur für die Verarbeitung, nicht jedoch für den Anbau der Fasern.
- Die sozialen Standards orientieren sich an den Richtlinien der Internationalen Arbeitsorganisation.
Die genauen Richtlinien können unter www.global-standard.org eingesehen werden
Öko-Tex Standard 1000
Dieses Zeichen wurde im Jahr 1995 eingeführt und wird nicht an Produkte sondern an Textil-Betriebe vergeben, deren Herstellungsprozesse garantiert nachhaltig sind. Zudem muss mindestens ein Drittel der in dem Betrieb hergestellten Produkte bereits mit dem Öko-Tex-Standard 100 ausgezeichnet sein. Für die Zertifizierung eines Betriebs mit dem Öko-Tex-Standard 1000 muss dieser neben Umwelt-Kriterien Abwasser- und Abluftreinigung soziale Mindeststandards sowie Sicherheits- und Energie-Richtlinien einhalten. Die Auszeichnungen werden für drei Jahre vergeben und können dann auf Antrag verlängert werden.
Öko-Tex Standard 100plus
Dieses Öko-Siegel geht deutlich über die humanökologischen Anforderungen des Öko-Tex Standard 100 hinaus. Alle Betriebe, die an der Produktion des zertifizierten Artikels beteiligt sind, müssen mit dem Öko-Tex Standard 1000 ausgezeichnet sein. Das heißt, dass alle Verarbeitungsstufen nachweislich umweltschonend und sozial verträglich sind. Der kontrollierte Artikel muss zudem bereits nach dem Öko-Tex Standard 100 zertifiziert worden sein. Nur wenn alle Betriebe der Produktionskette ausgezeichnet sind, kann auch das Produkt das Siegel Öko-Tex Standard 100plus erhalten.
Ecoproof
Dieses vom TÜV Rheinland entwickelte Zeichen Ecoproof sollte, wie die NATURTEXTIL-Siegel auch, eine Herstellungskette garantieren, die von der Rohstoffgewinnung bis zum Endprodukt hohen ökologischen und sozialen Standards unterliegt. Das Zeichen konnte sich jedoch trotz seiner hohen Glaubwürdigkeit (transparentes Vergabeverfahren, unabhängige Kontrollen) gegenüber den „Konkurrenz-Siegeln" leider nicht durchsetzen und wird heute nicht mehr vergeben.
ACHTUNG:
- Im Gegensatz zur Lebensmittelindustrie sind Begriffe wie „Natur", „Bio" oder „Öko" bei Textilien nicht geschützt. Achten Sie also immer auf die anerkannten Siegel.
- Auch das häufig verwendete Kürzel kbA, das für „kontrolliert biologischem Anbau" steht, ist für sich genommen keine Gewährleistung für einen ökologischen Anbau der Fasern. Auch hier sollte immer der Verweis auf die Kontrolle durch eine anerkannte Zertifizierungsorganisation vorhanden sein.
- Der Ausdruck „100 % ökologisch angebaute Baumwolle" sagt nichts über die weitere Behandlung des Kleidungsstücks aus. Gewährleistet wird eine ökologische Verarbeitung nur durch entsprechende Siegel, wie das NATURTEXTIL-Zeichen oder den GOTS.

















