Jahr der Wälder
Ziel: Die Menschen über die Bedeutung der Wälder informieren und für deren Schutz sensibilisieren. Am 02. Februar wurde das für 2011 ausgerufene Internationale Jahr der Wälder am Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York offiziell gestartet. Im Rahmen einer Tagung des UN-Waldforums haben hochrangige UN-Repräsentanten und Kinder der Organisation Plant-for-the-Planet den Startschuss für die rund um den Globus stattfindenden Aktionen geben, die unter dem Motto „Forests for People - Wälder für Menschen" stehen. Ziel dieser Aktionen ist es, die Aufmerksamkeit der Menschen für die Wälder der Erde und deren Bedeutung zu erhöhen und sie für ihren Schutz zu sensibilisieren. Neben Podiumsdiskussionen, Filmvorführungen und unterschiedlichen Medienaktivitäten ist für die Eröffnungsveranstaltung auch die Ausgabe einer Sonderbriefmarkenreihe zum Internationalen Jahr der Wälder vorgesehen.
In Luxemburg wird es keinen offiziellen Start für das Internationale Jahr der Wälder geben. Allerdings bieten einige Organisationen und Verbände im Laufe des Jahres unterschiedliche Aktionen an, bei denen der Wald, seine Bedeutung, sein Schutz und seine Nutzung im Mittelpunkt stehen.
Zahlen und Fakten
Wie notwendig die Ergreifung von Schutzmaßnahmen für unsere Wälder, und nicht nur für den tropischen Regenwald, ist, machen einige Zahlen deutlich:
- 31 % der Landfläche der Erde sind mit Wäldern bedeckt
- Mehr als die Hälfte der Wälder wurden bereits von den Menschen vernichtet
- Pro Minute wird eine Waldfläche gerodet, die 36 Fußballfeldern entspricht
- Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) wird jährlich eine Waldfläche von 13 Millionen Hektar gerodet, 50 x die Fläche Luxemburgs
- Primärwälder, die noch nicht direkt von Menschen beeinflusst wurden, nehmen 36 % der gesamten Waldfläche ein
- Wälder bieten etwa 80 % der terrestrischen Arten Lebensraum
- Etwa 2/3 aller Arten der Erde leben in Wäldern, die meisten davon in den tropischen Regenwäldern. Die Zerstörung dieser speziellen Ökosysteme ist täglich für das Aussterben von mindestens 100 Arten verantwortlich
- Die FAO schätzt, dass alle Wälder der Erde inklusive ihrer Böden mehr als eine Billion (also 1.000.000.000.000 oder 1.000 Mrd.) Tonnen Kohlenstoff speichern. Das ist doppelt soviel wie in der Atmosphäre vorhanden ist.
- Die Entwaldung ist für 15 bis 20 % der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich
- Etwa 300 Millionen Menschen leben in Wäldern
- 30 % der Wälder dienen der Produktion von Holz und Nicht-Holz-Produkten
- Wälder sichern nach Informationen der Weltbank den Lebensunterhalt von mehr als 1,6 Mrd. Menschen und sind mit ihren natürlichen Funktionen (Reinigung der Luft, Wasserspeicher, Klimaschutz, Artenschutz, Lebensmittel- und Rohstofflieferant) für uns alle lebensnotwendig. Daher das Motto: „Forests for People - Wälder für Menschen"
- • 2004 wurde der weltweite Handel mit Wald-Produkten auf 327 Mrd. Dollar geschätzt
Ziele für das Internationale Jahr der Wälder 2011
Forstliche Vereinigungen und Naturschutzorganisationen wie der WWF wollen das Jahr der Wälder dazu nutzen, über nachhaltige Bewirtschaftungsweisen aufzuklären und für einen bewussten Umgang mit allen Arten von Wäldern zu werben. Dies ist in der heutigen Zeit, in der der Rohstoff Holz vor allem als Energielieferant wieder an Bedeutung gewinnt und die Nachfrage rasant steigt, besonders wichtig, um eine Ausbeutung und drohende Verarmung der Wälder zu verhindern.
Ein weiterer wichtiger Punkt wird es sein, den Menschen verständlich zu machen, wer und was wirklich für das Abholzen der Wälder verantwortlich ist und wie sie als Verbraucher diesem Treiben entgegen wirken können. Wer weiß schon, dass beispielsweise der Produktion von sogenannten „Bio"-Kraftstoffen, die aus rein pflanzlichen, erneuerbaren Rohstoffen hergestellt werden, in den Tropen riesige Regenwaldflächen zum Opfer fallen, um auf den frei werdenden Flächen Palmöl anbauen zu können, das bei uns als Bio-Diesel verkauft wird. Oder dass ein großer Teil des nicht nachhaltig gewonnenen Holzes in die Produktion von Abfallprodukten wie Papiertüchern, Klopapier oder Pappbechern geht? Auch der Anbau von Soja für die immer stärker wachsende Fleischindustrie, trägt einen großen Anteil zur weltweiten Entwaldung bei.
Die 192 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen haben sich im Zusammenhang mit der Ausrufung des Jahres der Wälder in einer Resolution bereits eigene Ziele gesetzt, darunter den Stopp der Entwaldung, den flächenhaften Ausbau von Schutzgebieten und die Mobilisierung finanzieller Mittel.
Und hier noch ein paar Zahlen und Fakten zum Luxemburger Wald:
- 89.150 ha Luxemburgs sind mit Wald bedeckt, das entspricht etwa 34 % der Landesfläche oder mehr als 127.000 Fußballfeldern
- Den größten Waldanteil findet man in Luxemburgs Norden, hier sind 42 % der Fläche waldbedeckt
- 30 % der waldbildenden Bäume Luxemburgs sind Buchen, 28 % Eichen und 23 % Fichten
- Der Anteil der Fichten ist auf den ärmeren Böden im Norden am höchsten
- Die Buchen bilden unter anderem die artenreichen Kalkbuchenwälder auf den Höhen der Minette
- Etwa ein Drittel der Eichen findet sich in den Eichen-Niederwäldern im Ösling, die früher vor allem für die Gerberei genutzt wurden und daher auch Lohhecken genannt werden.
- 1014 ha des Luxemburger Waldes wurden bisher als sogenannte „Naturbëscher" ausgewiesen, in denen eine forstliche Nutzung ausbleibt. Das entspricht etwa 1,1 % der Waldfläche in Luxemburg. Mittelfristiges Ziel ist die Ausweisung von 5 % der Wälder als Naturwaldreservate.
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"Forests for people - Wälder für Menschen" in Luxemburg
Die Geschichte der Waldnutzung im Großherzogtum
Seit Jahrtausenden sind Wälder für Menschen von großer Bedeutung. Zunächst als Lieferant für Früchte, Kräuter und Wildfleisch, seit Entdeckung des Feuers auch für Brennholz. Später, mit der sich entwickelnden Sesshaftigkeit und dem Aufkommen von Ackerbau und Viehhaltung, lieferte der Wald neben Brennholz auch Bauholz für Gebäude und Zäune. In Luxemburg kam es, bedingt durch die Ausbreitung der Landwirtschaft und die Verhüttung von Metallen durch die Kelten in der Eisenzeit zu einer ersten intensiveren Waldnutzungsphase. Vor allem für die Herstellung von Holzkohle benötigten sie große Mengen Holz, die durch starke Rodungstätigkeiten gewonnen wurden. Auch die Nutzung des Waldes als Weide, insbesondere für Schweine, war wohl bereits bei den Kelten verbreitet.
Die Römer waren aufgrund ihrer fortschrittlichen und starken Bautätigkeit und wegen ihrer ausgeklügelten Heizungssysteme in Wohnhäusern und Thermen ebenfalls auf viel Holz und damit auf das Vorkommen von Wäldern angewiesen. In kalkreichen Gebieten, wie dem Süden des heutigen Luxemburgs dienten die Wälder, wie bereits bei den Kelten, zudem der Herstellung von Holzkohle, die die Römer für ihre Kalköfen benötigten. Nach dem Rückzug der Römer, zur Zeit der Völkerwanderungen, ging der Holzbedarf mit der Veränderung der Siedlungsweise zugunsten halbsesshaften Besiedlungsformen zurück und der Wald konnte sich wieder ausbreiten.
Die intensivsten Nutzungen erfuhren Wälder im Mittelalter. Vom frühen Mittelalter an, bis weit ins 19. Jh. hinein, besaßen Wälder nicht nur als Ressource des wichtigsten Baustoffs und einzigen Energieträgers Holz eine große Bedeutung, sondern auch als Ergänzung zur Nahrungsmittelproduktion. Da die meisten landwirtschaftlichen Flächen für den Getreideanbau genutzt wurden, musste das Vieh zum Weiden in den Wald getrieben werden, wo sich unter dem lichten Kronendach Wiesen entwickelten. Im Herbst bot der Wald zudem mit Eicheln und Bucheckern ein hervorragendes Futter für die Schweinemast. Welche Bedeutung der Luxemburger Wald für die Fleischproduktion hatte, zeigt eine Zahl aus dem Jahr 1464: in diesem Jahr wurden allein in den „Bambësch" 600 Schweine getrieben. Allgemeine Nutzungsrechte der Bürger an den Wäldern ermöglichten es ihnen im Frühmittelalter noch Bau- und Brennholz zu gewinnen. Um die starke Nachfrage nach Brennholz befriedigen zu können, das als Energieträger (Heizen und Kochen) einen erheblichen Anteil am Allgemeinwohl der Menschen besaß, wurden viele Wälder als Niederwälder bewirtschaftet. Für den Bau der Festungsanlagen in Luxemburg-Stadt entnahm man dem Grünewald, der auch für die umliegenden Gemeinden vielfältige Funktionen erfüllte, große Mengen Holz. Neben der Konstruktion von Gerüsten und Überbauten sowie dem Bau des Fundaments wurde das Holz auch für den Betrieb der Kalkbrennöfen verwendet, in denen das Material für den Mauerbau hergestellt wurde. Doch nicht nur der Bau auch die Nutzung der Festung verschlang Unmengen an Holz: so diente der Grünewald zeitweilig hauptsächlich der Versorgung der Festung mit Brennholz.
Ende des 15. Jhs. versuchte man in Luxemburg erstmals, die Nutzung des Waldes durch Beschränkungen der Nutzungsrechte auf festgelegte Mengen und Perioden in geordnete Bahnen zu lenken. 1617 wurde vom Herrscherpaar der spanischen Niederlande ein Wälder-Edikt erlassen, das die Bewirtschaftung und Einrichtung der Wälder und die Ausübung der Nutzungsrechte regelte. Doch der Bedarf an Bauholz und insbesondere an Brennholz und Holzkohle für Schmieden, Eisen- und Hüttenwerke führte auch nach diesem Erlass zur Ausbeutung der Luxemburgischen Wälder. Im 18. Jahrhundert kam in Luxemburg eine weitere Nutzung des Waldes hinzu, die der sogenannten Lohhecken. Die Niederwaldbewirtschaftung mit Eichen diente der Gewinnung der in der Rinde enthaltenen Gerbsäure, die für die Haltbarmachung von Tierhäuten und die Herstellung von Leder verwendet wurde.
Bis zur Einführung der Kohle war Holz ein begrenzender Wirtschaftsfaktor, was sich unter anderem an der Zurückstellung von Baugenehmigungen für drei neue Hochöfen Mitte des 19. Jhs. ausdrückte, die mit der Sorge um eine ausreichende Holzversorgung begründet wurden. Erst als die luxemburgische Eisenindustrie ab 1869 ausschließlich Steinkohle zur Befeuerung der Hochöfen nutzte, verlor der Wald einen großen Teil seiner wirtschaftlichen Bedeutung im Großherzogtum.
Die Bedeutung der Wälder für die Menschen hat sich in Luxemburg wie in vielen Teilen der Erde erheblich gewandelt. Während sie bis ins 19. Jh. als entscheidende Ressource der Gesellschaft galten, da sie den wichtigsten Bau- und einzigen Brennstoff bereitstellten, haben sie in diesem Punkt etwas an Bedeutung verloren, während andere Funktionen in den Vordergrund gerückt sind. Dazu zählen unter anderem die verschiedenen Schutzfunktionen des Waldes für Luft, Wasser und Boden und ihre Fähigkeit große Mengen CO2- zu speichern.

















